Umgangssprachlich wird die Bulimie als Ess-Brech-Sucht bezeichnet. Typische Kennzeichen sind Essanfälle mit anschließendem, selbst ausgelöstem Erbrechen. Ebenso kennzeichnet ein Medikamentenmissbrauch (Bsp. Abführmittel) eine Bulimie. Die Betroffenen sind zumeist normalgewichtig und haben in der Regel Angst vor einer Gewichtszunahme.
Was ist eine Bulimie (Bulimia nervosa)?
Bei einer Bulimie oder Ess-Brech-Sucht handelt es sich um eine Essstörung, die sich durch wiederkehrende Essanfälle (die Betroffenen verzehren große Mengen von kalorienhaltigem Essen) kennzeichnet.
Das Körpergewicht spielt eine große Rolle, die Betroffenen haben Angst, an Gewicht zuzunehmen. So erbrechen sie das Essen absichtlich oder es werden Abführmittel eingenommen.
Die meisten Betroffenen halten zwischen den Essattacken eine Diät ein. Das Körpergewicht der Menschen mit Bulimie liegt im unteren Normbereich, ist also als normal zu bezeichnen. Allerdings zeigen sich oft Zeichen einer Mangelernährung.
Frauen sind häufiger von einer Bulimie betroffen als Männer, besonders in der gesellschaftlichen Oberschicht treten die Essstörungen gehäuft auf.
Die Ursachen für eine Bulimie (Bulimia nervosa)
Die Ursachen einer Bulimie sind nicht einfach zu erfassen, es spielen mehrere Faktoren (multifaktoriell) in der Lebensgeschichte des Betroffenen eine Rolle.
Zumeist handelt es sich um eine Kombination aus biologischen, psychologischen, familiären, genetischen, umgebungsbedingten wie auch sozialen Faktoren.
Oft sind es belastende Erlebnisse, wie der Verlust eines geliebten Menschen, die eine Bulimie auslösen. Ebenso kann es durch traumatische Erlebnisse, wie sexuellen Missbrauch, zu einer Bulimie kommen.
Auch das gesellschaftliche Schlankheitsideal kann eine große Rolle spielen, die schönen, schlanken Models lachen von jeder Plakatwerbung oder im Fernsehen und prägen ein Körperbild, dem viele nacheifern.
Auffallend ist, dass es speziell bei intakten Familienverhältnissen zu Bulimie kommen kann. Ob es der erhöhte Leistungsdruck der Betroffenen oder das „Überbehütet sein“ ist, ist nicht geklärt.
Die Symptome einer Bulimie (Bulimia nervosa)
Charakteristisches Symptom einer Bulimie oder Ess-Brech-Sucht sind die immer wieder auftretenden Essattacken.
In kurzer Zeit werden große Mengen an Essen (Schokolade, Pudding, Kartoffelchips, etc.) verzehrt, oft über 10.000 Kalorien auf einmal. Solche Essanfälle kommen mehrmals wöchentlich vor, schlimmstenfalls jeden Tag.
Ein typisches Kennzeichen für Menschen mit Bulimie ist eine Körper-Schema-Störung, das bedeutet, der Betroffene nimmt sich selbst dicker wahr, als er in Wirklichkeit ist.
Durch die Einnahme von Abführmitteln und harntreibenden Medikamenten kann es zu Karies kommen und durch das Erbrechen zu Mangelerscheinungen wie einem Leistungsabfall.
Weiters kommen in vielen Fällen depressive Symptome hinzu. Die Betroffenen ziehen sich oft sozial und familiär zurück, die Bulimie verstärkt sich, ein Teufelskreis beginnt.
Die Behandlung einer Bulimie (Bulimia nervosa)
Behandlung: Langzeittherapie, Medikamente
In den meisten Fällen kann eine Bulimie ambulant behandelt werden. In erster Linie werden die körperlichen Mangelerscheinungen behandelt.
Ein besonders wichtiger Teil der Therapie ist es, den Auslöser für die Bulimie zu finden und entsprechend zu therapieren.
Es wird versucht, auf Verhaltens- und psychisch bedingter Ebene Lösungen zu finden:
- Das Essverhalten: Bei der Langzeittherapie ist das Ziel, die Essensgewohnheiten positiv zu verändern.
- Kognitiv-verhaltenstherapeutische Maßnahmen: Die Patienten müssen lernen, ohne schlechtes Gewissen zu essen, das Selbstvertrauen wird gestärkt.
- Problemlösungsstrategien: Andere Verhaltensformen bei Problemen und Stress erlernen (Beispiel Entspannungsübungen).
- Gestaltungstherapie: Kann eine sinnvolle Ergänzung der Therapie sein, dabei malen die Betroffenen Gefühle oder Konflikte. Auch Musiktherapien sind möglich.
- Medikamente: Werden bei Depressionen angewendet, haben in der Bulimie-Therapie jedoch eine untergeordnete Stellung.
Kann man einer Bulimie (Bulimia nervosa) vorbeugen?
Eine Vorbeugung gegen Bulimie gibt es nicht. Man sollte allerdings Menschen auf die Möglichkeiten einer Beratung ansprechen, wenn typische Symptome auffallen.
Weitere Informationen zur Bulimie (Bulimia nervosa)
Bulimie ist ein Thema, über das Betroffene nicht sprechen wollen. Um ihnen die Möglichkeit zu geben, sich helfen zu lassen, gibt es zahlreiche Beratungszentren und Selbsthilfeorganisationen.
Auch fachlich hilfreiche Bücher findet man im Buchhandel. Es ist wichtig sich helfen zu lassen, denn eine Bulimie führt auf Dauer zu körperlichen und psychischen Schäden.