Borderline (Persönlichkeitsstörung, BPS)

Die Borderline-Krankheit bezeichnet eine Störung der Persönlichkeit. Diese Krankheit kann oft bereits von der Geburt an aufscheinen.

Borderline Die Borderline-Krankheit bezeichnet eine Störung der Persönlichkeit. (Foto by: photographee.eu / Depositphotos)

Schnell-Übersicht

  • Was ist Borderline: Dabei handelt es sich um eine psychische Störung in der Persönlichkeit.
  • Symptome: Hierbei kann es zu Angststörungen, Depressionen, Selbstverletzungen, Halluzinationen und einer Verzehrten Wahrnehmung von Richtig und Falsch kommen.
  • Ursachen: Veranlagungen, sowie auch Erfahrungen in der Kindheit und das Aufwachsen spielen hierbei eine große Rolle in der Entwicklung der Störung.
  • Behandlung: Die Behandlung besteht meist aus Psycho- und Verhaltenstherapien. Eine Unterstützung durch Medikamente ist möglich.
  • Mögliche Komplikationen: Menschen, die unter Borderline leiden, neigen oft zu suizidalen Gedanken und können von anderen erkrankten in ihren Störungen beeinflusst werden.

Was ist Borderline (Persönlichkeitsstörung)?

Die Borderline-Krankheit wird hauptsächlich bei Jugendlichen und jüngeren Erwachsenen festgestellt. Sie bezeichnet eine psychische Störung, die sich ganz anders äußert als alle weiteren psychischen Störungen. Die Betroffenen leiden unter Zerrissenheit in sich selber, und sie weisen eine Orientierungslosigkeit im Alltag auf.

Die Borderline-Krankheit ist schon seit langem bekannt. Schon im 17. Jahrhundert wurde über diese Störung berichtet. Die Patienten leiden oftmals unter

  • unkontrollierter Wut
  • Angst
  • undefinierbaren Schmerzen

Der Ausdruck Borderline kam erstmalig im Jahre 1938 auf. Ein amerikanischer Psychoanalytiker umschrieb die Krankheit als eine psychische Erkrankung, der weder eine Psychose noch eine Neurose zugrunde lag, denn diese Krankheitsbilder treten in wechselnder Weise auf.

Später wurde klar, dass sehr viele Menschen an dieser Erkrankung litten, ihnen jedoch eine Diagnose verwehrt blieb. Die Geschichte hat gezeigt, dass es für die Borderline-Krankheit keine gültigen Maßstäbe gibt, da der Krankheitsverlauf von Patient zu Patient verschieden ist.

Ursachen von Borderline

Veranlagung

Zunächst spielen Veranlagungen eine große Rolle, jedoch auch die Lebenserfahrungen, die ein Mensch im Laufe seiner Entwicklungsjahre macht. Von Bedeutung ist auch, wie diese hirnorganisch verarbeitet werden.

Starke Belastung in der Kindheit

Die ersten Eindrücke prägen die Persönlichkeit, und schließlich kommt es zu einer Symbiose äußerlichen Umständen, Veranlagungen und letztlich der psychosozialen Verarbeitung im Gehirn. Wird diese Entwicklung massiv gestört wie beispielsweise durch eine starke Belastung in der frühen Kindheit, kann es im Zusammenwirken mit einer ungünstigen genetischen Veranlagung zur Ausbildung der Borderline-Erkrankung kommen. Die Entwicklung nimmt so einen negativen Verlauf.

Bei diesem Krankheitsbild leiden die Patienten an sich selbst und ihren Mitmenschen. Die Folgen können schwerwiegend sein. Unterschiedlich sind die Ursachen und auch, wie sich die Krankheit bei jedem Betroffenen ausbildet und entwickelt. Wissenschaftlich befindet sich die Forschung da noch ganz am Anfang. Somit gibt es auch keine festgelegte Symptomatik, wie es bei anderen Krankheiten - auch psychischen - meist der Fall ist.

Fest steht, dass unterschiedliche Faktoren zu Borderline eine Rolle spielen, damit die Störung entstehen kann. In jedem Fall sind hier die persönliche Veranlagung und die unterschiedlichen Umweltfaktoren zu nennen, zu denen alle negativen Einflüsse bis hin zu diversen Traumata gehören.

Symptome von Borderline

Symptome Borderline Borderline-Patienten neigen zu Aggressivität gegenüber dem eigenen Körper. (Foto by: vadimphoto1@gmail.com / Depositphotos)

Die Borderline-Krankheit ist eine Mischung aus Neurose und Psychose. Dadurch zeigen sich eine Vielzahl von Symptomen, welche in beiden Bereichen zum Vorschein kommen.

Angst

Ein vordergründiges Symptom der Borderline-Krankheit ist eine undefinierbare Angst, also nicht eine solche, die sich auf reale Dinge bezieht, sondern ein sehr intensiv schwankender Angstzustand, der nicht genau beschrieben werden kann. Diese Angst ist ein ständiger Begleiter der betroffenen Patienten. Die meisten Erkrankten scheuen allerdings davor zurück, diesen Zustand auch zuzugeben. Erst ab dem Zeitpunkt, da sie sich von den Psychotherapeuten akzeptiert fühlen, sind sie dazu imstande.

Vorherrschend sind multiple und oft in Kombination auftretende Ängste und Phobien, die sich hauptsächlich auf den eigenen Körper beziehen.

Zwangserscheinungen

Weitere unbestimmte Zwangserscheinungen kommen hinzu und regieren den Alltag der Betroffenen. Es gibt jedoch hier einen Unterschied zum Wahn, und mit der Hilfe von Psychotherapeuten ist das Leiden auch gut zu kontrollieren.

Auch Depressionen können auftreten.

Innere Leere und Aggressivität

Die Patienten fühlen eine innere Leere und neigen zu Aggressivität gegenüber dem eigenen Körper. In die Schlagzeilen geraten sind hier die Selbstverletzungen wie beispielsweise das Aufritzen der Haut.

Psychosomatische Störungen

Hinzu kommen Störungen in der Psychosomatik, die vor allem den Magen-Darm-Bereich befallen sowie psychotische Symptome. Diese halten allerdings oft nur kurz an und verschwinden rasch wieder.

Visuelle Halluzinationen

Visuelle Halluzinationen stehen für ein Wiederaufkommen unverarbeiteter Traumata, welche zum Ausbruch der Borderline-Krankheit geführt haben. Es kommt zur Entstehung einer multiplen Persönlichkeitsstörung, bei der die Betroffenen meist nichts von ihrer zweiten Persönlichkeit wissen.

Drogenmissbrauch

Ein Missbrauch an Drogen dient dazu, die permanenten Angstgefühle zu unterdrücken. Es steht also hier nicht der Rausch im Vordergrund, sondern die Vermeidung von negativen Gefühlen. Dieses ist als eine Selbsthilfe anzusehen, die gefährliche Nebenwirkungen mit sich bringt. Ein Scheitern dieser "Therapie" ist vorprogrammiert.

Sexuelle Störungen

Auch weisen Borderline-Patienten sexuelle Störungen auf. Meist kommt es zu Kontrasten innerhalb ihrer Beziehungen und im sexuellen Verhalten.

Es gibt nur Gut und Böse

Bei der Beurteilung der Mitmenschen wird das sogenannte "Splitting" angewendet, die Unterteilung in Gut und Böse. Dazwischen gibt es in der Auffassung der Betroffenen nichts.

Asoziales Verhalten

Auch weisen die Patienten ein asoziales Verhalten auf, welches sich folgendermaßen äußert:

  • Isolation
  • unkontrollierten Wutausbrüchen
  • Angst vor Menschen
  • Feindseligkeit

Hysterie

Weiterhin kommt es zu hysterischen Zuständen. Die Patienten sind davon überzeugt, sie besäßen Macht oder gehörten einer mächtigen Vereinigung an. Allerdings kann hier nicht von einem Wahn ausgegangen werden, sondern eher um die Bemühungen, angstbehafteten Situationen zu entfliehen. Auf diese Weise kann die als Bedrohung empfundene Umwelt mittels Trance aus dem Bewusstsein gestrichen werden. Die Patienten haben meist keine Erinnerungen an diese Vorgänge.

Untersuchungen und Diagnose

Die Diagnose der Borderline-Krankheit ist schwierig, weil selbst in der Fachwelt noch weitestgehend Unwissenheit über die Erkrankung herrscht. Die Betroffenen zeigen vielseitige wechselnde und schwankende Symptome auf neurotischer Ebene. Dies birgt die Gefahr von Fehldiagnosen.

Wie schwer sich die Borderline-Krankheit von anderen psychischen Störungen differenzieren lässt, zeigt sich auch an den vermehrt auftretenden Diagnosen. Aus diesem Grund basiert die Diagnosestellung nicht nur auf den beschriebenen Symptomen.

Der Mediziner sollte zur sicheren Feststellung der Erkrankung die für sie typische Persönlichkeitsstörung identifizieren. Eine Persönlichkeitsstörung ist vor allem durch die Einschränkung des einheitlichen Erlebens, der Grenzgestaltung vom Ego und der Umwelt sowie im identitätsbezogenen Verlauf der Zeit geprägt. Um die Diagnose der Borderline-Krankheit zu stellen, geben folgende Anhaltspunkte Aufschluss:

  • impulsive Handlungen bezüglich selbstschädigender Aktivität
  • starke Stimmungsschwankungen
  • unkontrollierte Wutausbrüche
  • Suiziddrohungen und -versuche
  • Selbstverletzungen
  • andauernde Störung der Identität
  • andauerndes Gefühl der inneren Leere

Behandlung, Therapie und mögliche Komplikationen

Behandlung Borderline Eine psychotherapeutische Behandlung ist bei einer Borderline-Erkrankung empfehlenswert. (Foto by: belchonock / Depositphotos)

Borderline-Betroffene sind dazu fähig, ihr inneres Ungleichgewicht auf das aus Psychotherapeuten und Krankenpflegern bestehende Team zu transferieren. Die Behandlung dieser Erkrankung ist deshalb unbedingt an fachlich geeignete Mediziner und Hilfskräfte zu übertragen, denen dieses Krankheitsbild nicht fremd ist.

Psychotherapeutische Behandlung

Die Behandlung und Betreuung kann sehr schwierig sein, denn das Fachpersonal muss unter Umständen dafür sorgen, dass die Betroffenen nicht den Heilungsverlauf von anderen Patienten beeinträchtigen. Die Therapie des Borderline erfolgt zunächst durch eine typische psychotherapeutische Behandlung, die allerdings in einigen Bereichen vom üblichen Verfahren abweicht. Das Therapieziel stellt die Beseitigung der Persönlichkeitsstörung dar.

Verhaltenstherapie

Mit der Hilfe von Verhaltenstherapien können sich die Patienten ein adäquates Sozialverhalten aneignen. Psychopharmazeutische Medikamente werden ausschließlich nach ihrer Notwendigkeit gegeben, beispielsweise in Phasen der Selbstverletzung, zu den die Erkrankten immer wieder neigen. Aus diesem Grund ist die Borderline-Krankheit öffentlich bekannt geworden, da häufiger das Phänomen der selbst zugefügten Schnittwunden auftrat. Weiterhin gibt es eine erhöhte Suizidrate, die besonders kennzeichnend ist.

Prävention und was ich selbst tun kann

Im Grunde kann die Prävention der Borderline-Krankheit nur indirekt erfolgen, denn eine hundertprozentige Garantie gibt es nicht. Es gibt aber entscheidende Faktoren, die das Risiko für die Entwicklung der Störung deutlich erhöhen.

Auf einen Faktor kann jeder Einfluss nehmen: die psychosoziale Entwicklung beginnend mit der Geburt eines Menschen. Eltern sollten Sorge dafür tragen, dass ihre Kinder frei und unbeschwert aufwachsen können und frei von Ängsten sind. Weiterhin sind feste Bindungsstrukturen zwischen Eltern und Kind unerlässlich ebenso wie ein sozial-integrativer Erziehungsstil. Einzig und allein auf diese Weise kann die Entstehung der Borderline-Krankheit verhindert werden. Auf genetische Veranlagungen kann kein Einfluss genommen werden.


Bewertung: Ø 4,5 (24 Stimmen)

Autor: FitundGesund Redaktion
Infos zum Autor: Medizinredakteure und Journalisten
Erstellt am: 10.06.2014
Überarbeitet am: 21.12.2020

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