Arterielle Verschlusskrankheit (AVK)

Die arterielle Verschlusskrankheit ist von Durchblutungsmangelzuständen gekennzeichnet, die durch Einengung oder Verlegung des Arterienvolumens entstehen. Hauptursache ist Arteriosklerose, also Kalkablagerungen in den Arterien. Die Krankheit zeigt sich in vier Stadien unterschiedlicher Ausprägung.

Störungen im arteriellen Blutkreislauf betreffen hauptsächlich die Extremitäten, vor allem die Beine. Die daraus resultierenden Folgen können zum Teil lebensbedrohlich sein. Die AVK ist eine der häufigsten Zivilisationskrankheiten und weltweit stark verbreitet. Sie äußert sich altersabhängig und zunächst geschlechtsspezifisch. Männer können schon in jungen Jahren arterielle Verschlusskrankheit ausbilden, bei den Frauen beginnt die Krankheit meist nach den Wechseljahren. Je älter die Erkrankten sind, desto weniger geschlechtsspezifische Unterschiede gibt es. Da in erster Linie die Beinarterien betroffen sind, spricht man auch von einer PAVK, einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit. Weil die Krankheit schleichend verläuft, zählt sie zu den chronischen Erkrankungen.

Ursachen der arteriellen Verschlusskrankheit

Es gibt viele Gründe, die zur arteriellen Verschlusskrankheit führen. Hauptverantwortlich ist die Arteriosklerose, aber auch Entzündungsprozesse können die Krankheit begünstigen. Auch genetische Veranlagungen haben Einfluss auf guten oder eingeschränkten Blutfluss. Weitere Krankheiten, welche die AVK begünstigen, sind Diabetes mellitus und chronischer, über Jahre andauernder Bluthochdruck. Übergewicht und Nikotin, Bewegungsmangel und falsche Ernährung führen ebenfalls zu einer stärkeren Verkalkung der Gefäße.

Nicht zuletzt führt auch psychischer Stress zur Entstehung der arteriellen Verschlusskrankheit. All diese Faktoren beeinflussen die Stabilität und Struktur der Gefäßwände. Ist die innere Gefäßwand betroffen, kann es durch die vermehrte Einlagerung von Bindegewebszellen zu Schwellungen kommen. In diesen Bereichen lagern sich im Laufe der Zeit Zellen an, die wiederum arteriosklerotische Plaque anziehen. Auf Dauer wird das Gefäß immer weiter verengt. Bleiben diese Ablagerungen bestehen, wird das ganze Gewebe mit Sauerstoff unterversorgt und es droht ein Absterben der Zellen. Später können sich daraus lebensgefährliche Thrombosen entwickeln.

Symptome der arteriellen Verschlusskrankheit

Die Krankheit kommt in vier Stadien vor. Je nach Stadium zeigen sich die Symptome unterschiedlich.

Im ersten Stadium zeigt sich eine verringerte Durchblutung, die allerdings erst nach starker Belastung spürbar wird. Sie kann man nur in der Angiographie erkennen.

Im folgenden Stadium kommt es zur „Schaufensterkrankheit“. Infolge der mangelhaften Sauerstoffversorgung fällt es zunehmend schwerer, normal zu gehen. Die Betroffenen bekommen schon nach wenigen Schritten Schmerzen in den Beinen und bleiben häufig stehen (sie schauen die Schaufenster an). Nach kurzer Pause lassen die Schmerzen nach und die Erkrankten setzen ihren Spaziergang fort.

Das dritte Stadium ist von Schmerzen, die auch im Ruhezustand auftreten, gekennzeichnet. Die treten vor allem nachts an den Waden auf.

Im letzten Stadium verfällt das Gewebe immer mehr. Es droht die Amputation der betroffenen Gliedmaßen.

Gut die Hälfte aller an AKV Erkrankten ist über viele Jahre beschwerdefrei. Die andere Hälfte leidet unter Krämpfen und Schmerzen, die Haut verfärbt sich im betroffenen Areal, Wunden heilen kaum und es bilden sich Geschwüre. Stufe drei ist der Zustand, den man landläufig „offene Beine" nennt. Mit Fortschreiten der Krankheit zeigt sich eine Schwarzfärbung (Nekrose). Meist beginnt sie an den Zehen und breitet sich Richtung Unterschenkel aus. Nun ist das Gewebe unwiderruflich zerstört und muss entfernt werden.

Untersuchungen und Diagnose

Übliche Diagnoseverfahren sind Sonografie, Röntgenuntersuchung mit einem Kontrastmittel oder die Computertomografie. Mit Testmethoden kann die Diagnose bestätigt werden. Je früher die AVK erkannt wird, desto besser kann man sie behandeln. Dann kann der drohende Gefäßverschluss durch Medikamente verhindert werden. Ist die Krankheit schon im fortgeschrittenen Stadium, ist eine Operation notwendig.

Eine Möglichkeit ist die, Verkalkungen an den Venenwänden mit einem feinen Katheder zu lösen. Schwachstellen kann man mit einem Stent, einem netzförmigen Implantat, das wie ein Gehäuse stützt, stabilisieren. Der kranke Gefäßabschnitt kann aber auch durch ein Gefäß einer anderen Körperstelle ersetzt werden (Bypassoperation).

Hat die AVK bereits zum Absterben von Gewebeteilen geführt (Nekrose), ist eine Amputation erforderlich, um die Ausdehnung zu verhindern. Im schlimmsten Fall verliert der Kranke nicht nur einen Zeh, sondern den ganzen Unterschenkel oder das ganze Bein.

Behandlung, Therapie und Komplikationen

Je nach Stelle und Stadium des Gefäßschadens gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Eine wichtige Rolle spielt auch die Vermeidung der Risikofaktoren. Jeder kann viel für seine Gesundheit tun. Gehtraining sowie Verzicht auf Nikotin und schädliche Nahrungsmittel können den Krankheitsprozess aufhalten. Von Bedeutung sind Thrombozyten-Funktionshemmer, die die Gefahr eines Blutgerinnsels und das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall senken.

Heute werden verstärkt gefäßchirurgische Eingriffe vorgenommen. Verbreitet sind Kathederbehandlungen der verengten Gefäße. Nach Möglichkeit nutzt der Arzt nicht invasive Methoden, entweder alleine oder kombiniert mit anderen Behandlungsmethoden.

Oft reicht schon eine konservative Therapie, die Angioplastie. Die wird mit einer Ballonerweiterung durchgeführt. Der Arzt bringt einen flexiblen Kunststoffschlauch von außen ins Blutgefäß ein und schiebt ihn bis zur Engstelle vor. An der Spitze des Katheters befindet sich ein kleiner Ballon, der aufgeblasen wird und die verengte Stelle weitet. So kann das Blut wieder frei fließen. Selbst komplette Gefäßverschlüsse können, sofern sie nicht Monate bestehen, mit einem Ballonkatheter geöffnet werden. Man nutzt das Verfahren sowohl bei den Herzkranzgefäßen wie auch bei den Venen im Bein, Becken, Darm und Nieren.

Das Ergebnis der Erweiterung wird mit Kontrastmitteln überprüft. Bilden sich trotz mehrerer Ballon Behandlungen immer wieder neue Verengungen, werden Stents eingesetzt. Die Gefäßstützen setzt der Arzt an der Spitze des Katheters auf, führt sie an die verengte Stelle und platziert sie dort dauerhaft. Diese Operationsmethode ist bei Herzkranzgefäßverengung üblich. Die Behandlung kann bei Vollnarkose oder örtlicher Betäubung erfolgen. Der Patient spürt lediglich Wärme und Spannungsgefühle in der behandelten Region, die nach ein paar Tagen von selbst verschwinden.

Komplikationen

Nach operativen Eingriffen können typische Operationskomplikationen auftreten. Das sind zum Beispiel Störungen der Wundheilung, Infektionen, eine Lungenentzündung oder Embolie. Es gibt auch sehr spezielle Komplikationen, abhängig davon, in welcher Körperregion der Eingriff durchgeführt wurde. So kann der Harnleiter oder die Lymphgefäßen verletzt werden. Nach Bypassoperationen am Ober- oder Unterschenkel können Sofortverschlüsse auftreten. Sie müssen durch einen erneuten operativen Eingriff korrigiert werden.

Prävention und was ich selbst tun kann

Eine gesunde Lebensführung und viel Bewegung sind die besten Voraussetzungen, nicht an einer arteriellen Verschlusskrankheit zu erkranken. Raucher sollten das Rauchen komplett einstellen. Liegt Bluthochdruck vor, sollte der Blutdruck dauerhaft gesenkt werden.

Auch Stoffwechselstörungen und ein hoher Cholesterinspiegel müssen normalisiert oder behandelt werden. Es ist von großem Vorteil, Übergewicht so weit wie möglich zu reduzieren. Regelmäßiger, leichter Ausdauersport ist ideal, um Venenerkrankungen vorzubeugen.

Wer eine Strategie entwickelt hat, mit Stress besser umzugehen, tut ebenfalls sehr viel für seine Gesundheit. Bei Durchblutungsstörungen im Gehirn hilft regelmäßiges Gedächtnistraining. Venengymnastik, kalt-warme Wechselgüsse und Wassertreten sowie ausreichende Flüssigkeitszufuhr sind zur Vorbeugung ebenfalls wichtig. Menschen mit schwachen Venen sollten sich regelmäßig bewegen und langes Sitzen und Stehen vermeiden.

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