Galt in den letzten Jahrzehnten vor allem das soziale Umfeld, also die Elternproblematik, als Verursacher von ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit oder Hyperaktivitätssyndrom), so weiß man heute, dass von einer multifaktoriellen Verursachung (biologisch, psychisch und sozial) auszugehen ist. Die Behandlungsmöglichkeiten von ADHS sind individuell auf den Betroffenen zugeschnitten.
Wie kann ADHS definiert werden?
Das Aufmerksamkeitsdefizit oder Hyperaktivitätssyndrom, oder auch die Hyperkinetische Störung beginnt bereits im Kindesalter als psychische Störung. Typische Kennzeichen sind Probleme mit der Aufmerksamkeit, Hyperaktivität und auch eine enorme Impulsivität. Männliche Kinder sind häufiger von einer ADHS Erkrankung betroffen. Die Symptomatik ist sehr unterschiedlich und geht oft bis ins Erwachsenenalter.
Versucht man ADHS rein medizinisch zu erklären, spricht der Fachmann von einem multifaktoriell bedingtem Störungsdbild, welches auch erbliche Dispositionen aufweist. Neurobiologisch (in der Hirnforschung) lautet die Definition: stratiofrontale Dysfunktion, was vereinfacht gesagt bedeutet, dass es eine Überfunktion der Transportproteine für das Dopamin und Noradrenalin gibt.
Was ist die Ursache für ADHS?
Nach den neuesten Untersuchungen geht man bei ADHS von einem multifaktoriellen Verursacher aus, also ein Zusammenwirken von psychischen, biologischen und sozialen Faktoren. Bei rund der Hälfte aller Betroffenen liegt eine genetische Ursache zugrunde, die eine abnorme, neuronale Verarbeitung der Signale im Gehirn hervorruft.
Noch ist die Forschung nicht soweit, die Ursache hinreichend erklären zu können, ADHS ist sehr komplex. Eine Vererbung des Gendefektes ist jedoch erwiesen.
Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass auch zu früh geborene Säuglinge zu der Risikogruppe gehören. Dabei sind besonders Kinder von alkoholabhängigen Eltern betroffen. Das Erschreckende an der Studie: Alkohol und Nikotin können ADHS auslösen, auch wenn keine erbliche Vorbelastung der Eltern vorliegt.
Pränatal zählen weiters Kinder zur Risikogruppe, die mit Komplikationen schon während der Schwangerschaft oder auch der eigentlichen Geburt, mit einem zu niedrigen Gewicht, Infektionen oder einem verletzten zentralen Nervensystem geboren wurden.
Schwierigkeiten im sozialen Umfeld tragen nur bedingt zur Symptomatik bei, können diese aber verschlimmern.
Fakt ist, dass das eine neurobiologische Ursache mit psychologischen Konzepten ergänzt werden muss, denn die Verhaltensauffälligkeiten der Betroffenen können nicht hinreichend unterschieden bzw. genügend diagnostiziert werden, um Kinder, die aufmerksamkeitsgestört sind, von Kindern, die unauffällig sind, zu unterscheiden.
Wie kann ADHS diagnostiziert werden?
Prinzipiell ist es nötig, die Diagnose von einem Arzt oder Psychologen stellen zu lassen, der mit ADHS vertraut ist. Das sind vorzugsweise Kinder- und Jugendpsychiater- oder Therapeuten. Die klinische Diagnose muss erweitert werden durch verschiedene Differenzialdiagnosen wie einer Störung des Sozialverhaltens oder Angst- und Persönlichkeitsstörungen.
Die Diagnose stützt sich auf mehrere Komponenten: so werden die Informationen aus verschiedenen Bereichen des Lebens des Kindes betrachtet. Dabei werden die Eltern befragt und auch Lehrkräfte oder Erzieher (mittels Fragebogen oder Beobachtungen) des Kindes. Ebenso findet oder muss eine umfassende psychologische Diagnostik aufgrund von Tests stattfinden und auch das Verhalten des betroffenen Kindes eingehend beobachtet werden. Weiters findet die neurologische Untersuchung statt.
Um eine Diagnose auf ADHS stellen zu können, darf das Kind nicht älter als 7 Jahre alt sein und die Symptome müssen sich über einen Zeitraum von mehr als 6 Monaten erstrecken.
Ausnahmen sind pubertierende Mädchen, ADHS kann in diesen seltenen Fällen erst zu dem Zeitpunkt auftreten.
Die Symptomatik von ADHS und deren Verlauf
Unterteilt wird ADHS nach verschiedenen Typen. Doch sind die Symptome keineswegs einfach in eine Schublade zu stecken, die Patienten sind äußerst individuell zu beurteilen.
Grundsätzlich gibt es folgende Störungen:
- eine Störung der Aktivität und Aufmerksamkeit
- eine hyperkinetische Störung (mit einer Störung des Sozialverhaltens)
- eine Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität
Mit diesen Einteilungen ist die Krankheit aber nicht genügend definiert, den es gibt Mischtypen. So gibt es unter anderen den hyperaktiven Typ oder den nach außen sehr ruhigen Typ, Kinder die nur zuhause auffällig sind oder im Kindergarten und der Schule, den impulsiven oder den unaufmerksamen Typ – und manchmal eben ein Mischverhältnis der verschiedenen Typen. Prinzipiell liegt allen an ADHS erkrankten Kindern eine gewisse Abnormität im Verhalten und der Aufmerksamkeit zugrunde. Diese kann sich durch viele Symptome zeigen.
Hier sind einige angeführt:
- sehr hohe Ablenkbarkeit bei verschiedenen Aufgaben wie Schulaufgaben oder Lesen
- große Aktivität bei eigentlich relativ ruhigen Situationen wie dem Essen, Reisen etc.
- sitzen bleiben fällt ungemein schwer
- das Kind ist sehr vergesslich und lässt sich leicht durch äußere Reize ablenken
- Schwierigkeiten beim Erfüllen der gestellten Aufgaben, beispielsweise in der Schule kann das Kind diese nicht zu Ende führen
- Zappeligkeit der Hände und Füße, herum rutschen auf dem Sessel
- das Kind ist grundlegend unruhig und kann sich nicht ruhig beschäftigen, es wirkt wie getrieben
Das sind nur einige Auffälligkeiten welche nicht nach den Typen geordnet wurden. Sie sollten lediglich zeigen, wie man eine eventuelle Auffälligkeit bei seinem Kind erkennen kann.
Kann oder muss ADHS behandelt werden?
ADHS kann in drei Schweregrade eingeteilt werden: dem leicht, dem mittelschwer und dem schwer betroffenen Erkrankten. Bei einem leicht Betroffenen helfen ein intaktes Umfeld und die Unterstützung durch eine psychosoziale Hilfestellung. Ein mittelschwer betroffener Patient braucht eine Behandlung, denn er leidet wenn er älter wird an immer mehr Folgeerkrankungen. Ohne Behandlung sind mittelschwer Erkrankte suizidgefährdet und das Versagen in Schule und Beruf steigt merklich.
Ist ein Erkrankter schwer betroffen, muss er behandelt werden, denn sein Sozialverhalten ist stark gestört. Hier besteht die Gefahr eines Suchtverhaltens oder auch das Abrutschen in die Kriminalität.
Oft wird bei mittleren bis schweren Fällen die Behandlung auch medikamentös unterstützt.
Die Therapie
Die Behandlung an sich ist sehr individuell und besteht aus mehreren parallel verlaufenden Schritten: dazu gehören unter anderen eine medikamentöse Behandlung (Antidepressiva, Amphetamine, etc.), Psychotherapie, Coaching, psychosoziale Intervention, u.m.. Ein multimodales Vorgehen ist empfehlenswert. Dabei werden auch die Eltern voll in die Therapie integriert. Oft sind auch diätische Behandlungen hilfreich, doch wirkliche Ergebnisse liegen hier noch nicht vor.
Infos zu ADHS
In jedem Fall ist es unbedingt erforderlich, dass sich die Eltern mit ADHS auseinandersetzen. Dazu gibt es viele Informationsbroschüren, Bücher und die Möglichkeit, sich mit anderen betroffenen Eltern auszutauschen. Auch das Internet ist eine hilfreiche Stütze.
ADHS ist keine Geisteskrankheit, keine Faulheit oder gar Schwachsinn. Die Kinder zeichnen sich durch viele positive Eigenschaften wie Kreativität, Fürsorglichkeit oder Tierliebe aus und bedürfen genau wie „gesunde“ Kinder der uneingeschränkten Liebe ihrer Eltern.