Zwar ist in unseren Breiten der Mythos Jungfräulichkeit nicht mehr populär, doch auch heute gibt es noch traditionsreiche religiöse Gemeinschaften, wo die Frauen jungfräulich in die Ehe gehen müssen. Dazu zählen vor allem muslimische Kreise. Durch die Migration ist das Thema daher nach wie vor auch bei uns aktuell.
Die Jungfräulichkeit (Virginität) – Grundsätzliches
Jungfrau sein bedeutet, dass Frau noch keinen Geschlechtsverkehr mit einem Mann hatte, und das Jungfernhäutchen noch intakt ist. Wobei diese Annahme nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmt, denn bei vielen Mädchen reißt das Hymen beim Sport, Verletzungen, masturbieren, dem Benützen von Tampons oder Reiten ein. Manche Mädchen haben gar kein Hymen. Und das es während des Geschlechtsverkehrs auch noch blutet, ist ebenso falsch – nur bei rund der Hälfte aller Frauen kommt es zu einer Blutung während der Defloration.
Das intakte Jungfernhäutchen, das sogenannte Hymen, ist eine Schleimhautfalte mit einer kleinen Öffnung, welches die inneren von den äußeren Geschlechtsorganen der Frau trennt. Es ist sehr dehnbar - das ist ein zusätzlicher Grund, warum es beim ersten Geschlechtsverkehr auch mal nicht einreißen kann.
Irrtümer über Irrtümer, Männer wie Frauen haben eine falsche Vorstellung wie ein Jungfernhäutchen aussieht, wie es funktioniert und was es eigentlich überhaupt ist. Eine Jungfrau heiraten zu können, legt in den Wertvorstellungen dieser zumeist religiös gebundenen Männer, die der Erste sein wollen/müssen. Die Frauenbewegung ermöglicht es auch den Frauen, vor der Ehe sexuelle Erfahrungen zu sammeln. Doch eben nicht überall und in allen Kulturen, und das führt zu Ängsten und Scham vonseiten der Mädchen – und zu einem enormen psychischen Druck. Manche Mädchen versuchen bei ihrem Gynäkologen/Gynäkologin ein Attest zu bekommen, dass ihre Jungfräulichkeit bescheinigt, doch ist das nicht so einfach. Hier stoßen Mediziner oft an ihre Möglichkeiten.
Die Jungfräulichkeit (Virginität) – Hymenrekonstruktion
Frauen möchten ihre Sexualität ausleben können, möchten vor der Ehe sexuelle Erfahrungen sammeln. Doch in manchen religiös gebundenen Kulturen wird erwartet, dass Frau als Jungfrau ihrem künftigen Ehemann übergeben wird.
Auch die Eltern in diesen Gesellschaften erwarten von ihren Töchtern Reinheit. Die Mädchen sind gezwungen, ihre sexuellen Erfahrungen im geheimen zu praktizieren. Was tun, wenn das Jungfernhäutchen nicht mehr intakt ist? Mit diesen Ängsten kommen die jungen Frauen zu Intimchirurgen, die das Hymen entsprechend neu aufbauen können. Der Eingriff wird mit körpereigenem Gewebe und meist unter Lokalanästhesie ausgeführt. Die Kosten dafür sind hoch, bis zu 3.000 Euro kann eine Hymenrekonstruktion ausmachen. Das Abheilen braucht ein paar Wochen, dann hat die junge Frau, was die Familie und der zukünftige Ehemann erwartet: ein intaktes Jungfernhäutchen. Zum Glück ist Jungfräulichkeit in den meisten Kulturen kein Muss vor der Ehe, allerdings kann man Strömungen beobachten, wo junge Leute zunehmend dies bevorzugen.
Geschieht dies aus freiwilliger Motivation, ist absolut nichts dagegen einzuwenden. Und natürlich kann auch den Religionen kein Vorwurf gemacht werden, es ist nun einmal alte Tradition, an die sich die Menschen gebunden fühlen. Auch das den Mädchen medizinisch geholfen werden kann, kann keinesfalls angeprangert werden, stehen diese doch unter einem hohen psychischen Druck.
Es bleibt jedoch zu hoffen, dass es auch in diesen Kulturen zu einem Umdenken kommt und das Hymen nicht so wichtig genommen wird, bzw. man sich über den anatomischen Aspekt des Jungfernhäutchens besser informiert.
Die Jungfräulichkeit – Fazit
In einigen Kulturen hat die Jungfräulichkeit auch heute noch einen hohen Stellenwert – Mädchen sollten als Jungfrau ihrem Ehemann übergeben werden können. Ist das nicht mehr der Fall, weil das Mädchen Erfahrungen auf dem Gebiet Sex sammeln möchte, steht es unter einem besonders hohen psychischen Druck. Die Möglichkeit der Hymenrekonstruktion kann vielen Mädchen helfen, der Eingriff ist aber sehr teuer. Ein Jungfernhäutchen kann aber auch schon vorher einreißen, beim Sport oder dem Benützen von Tampons beispielsweise.
Weitere Informationen zur Jungfräulichkeit
In erster Linie kann der Frauenarzt/die Frauenärztin den Mädchen den Zustand des Hymens feststellen. Frauenberatungsstellen sind Anlaufstelle für die Ängste der Mädchen, wenn das Hymen nicht mehr intakt ist. Zum Thema Jungfräulichkeit kann man im Buchfachhandel einiges an interessanter Literatur erhalten, von Geschichte bis zur Gegenwart. Eine Liste aller in Österreich praktizierenden Ärzte befindet sich auf unserem Gesundheitsportal.